Freitag, 19. August 2005

Vorlesungsverzeichnis August 2005

Da mein wertes Kollegium wieder mal mit anhaltender Absenz glänzt, liegt es wohl wieder beim alten Tensfelder, das ein oder andere Seminar auf den Weg zu bringen. Schließlich wollen die Studenten heutzutage ja was lernen. Aber zunächst mal zu einigen logistischen Angelegenheiten.

Die Vorlesung "Aachener Renaissance. Die Neuerstehung kindsgleicher Energieemissionen beim Kühlschrank des vorigen Jahrhunderts." (Do 15-17) entfällt wegen eines Forschungssemesters von Prof. Hallgrimsson.

Das Proseminar "Grundlagern theologischer Kräuterweine" von Konsul Meisenbach (Di 19-21) entfällt wegen eines Urlaubssemesters des Lehrenden.

Die Übung "Onomatopoesie für Vollspastis" (Mi 12-13), geleitet von Guillaume Burnaud, findet erst ab nächster Woche statt, weil der feine Herr auf irgendeinem Flamenco Festival als Anheizer auftritt.

Mein Blockseminar "Die katalanische Sitzgruppe im Wandel der Freizeit" findet wie geplant am kommenden Wochenende durchgehend in der Carrer D'Arago in der Neustadt statt. Wer am Samstag um 8.00 Uhr nicht rechtzeitig auf der Matte steht, bekommt keinen Schein. Dass wir uns da richtig verstehen.

Porträt: Fons Tenfelder

Es sirrt und surrt, es flirrt und flattert, es schwirrt und schwurbelt rund um mich herum. Schnaken, Mücken, Motten, Fliegen. Und der Tenfelder mittenmang. Er steht am Fenster, kratzt sich die Brusthaare durch das halboffene Holzfällerhemd, die andere Hand nahezu unentwegt entweder im "Schwarzer Krauser"-Beutel versenkt, um sich eine neue krümelige Kippe zu drehen oder um die gerade glühende an seine spröden Lippen zu führen. Am offenen Fenster steht er, bläst den bitteren Rauch in den dunklen Nachthimmel und schert sich einen Dreck darum, dass alle Fenster sperrangelweit offen stehen und dank des Lichts von sieben eingeschalteten Lavalampen seine Wohnung zu einem wahren Insektenmagneten wird.

Sein schlohbraunes Haar schlabbert verwuschelt über die Stirn, die vernarbten Furchen auf der linken Wange ähneln in ihrem kreuzundqueren Gewirr fast einem mittelalterlichen Stadtplan. Relikte aus der kurzen Zeit, in der Fons Fux in einer schlagenden Studentenverbindung war. Doch genug der Präliminarien. In Vertretung von Konsul Meisenbach, der reißaus genommen hat, als man ihn in Andorra unweit des Jakobswegs ausfindig machte, stelle ich ich nun einige unwichtige Fragen, um das bislang recht unscharfe Bild von Fons Tenfelder klarer zu konturieren.

1. Fons, man behauptet, Du habest die uneheliche Tochter von Uri Geller erobert, seist mit ihr vier Wochen in die Karpaten verreist, habest sie geschwängert und dann wie eine weggeworfene Coladose fallen lassen für die Nichte eines russischen Öl-Magnaten. Was ist da dran?

An der Nichte ist einiges dran, wenn du verstehst. Hahaha. Aber ein Wort generell zu den ganzen Weiberg'schichten. Ich bin doch auch bloß ein Mensch, dem hin und wieder die Natur kommt. Die Geller-Geli ist mir ein wenig ungünstig unter die Radkappen gekommen, deshalb hab ich jetzt auch den Juri, den Fratzen, am Hals.

2. Was ziehst Du vor: Radeberger oder Radkappen?

Bist deppert, Olafur? Radeberger ist Bier für Geschmackskrüppel. Huxley hat mal gesagt: "Kultur ist ein sehr dünner Firnis, der sich leicht in Alkohol auflöst." Dazu muss aber nicht nur die Kultur leicht löslich, sondern auch das Bier leicht süffig sein. Und ich komm am einfachsten zum Höhepunkt meiner katharsischen Kulturlosigkeit wenn ich Augustiner sauf.

3. In Deinen unveröffentlichten Memoiren kann man nachlesen, Dein Lebenstraum sei die Vizeweltmeisterschaft im Pfahlsitzen. Träumst Du diesen Traum noch immer?

Ich wär doch kein Mensch nicht mehr, wenn ich diesen Traum aufgeben würde. Erst letzte Woche habe ich meine Wohnung in Barcelona verlassen und bin hinauf gefahren in die Bierenäen (haha), wo ich auf der Höhe von Coms De Jan mich dermassen festgesessen hab, dass mir heute noch der Arsch weh tut. Aber weisst ja wie's is wenn man sich verhockt.

4. Gibt es Haustiere, die Du essen würdest?

Vielleicht meinen Hund Halma. Aber sonst höchstens noch den Köter vom Burnster sein Opa, diesen Chagal.

5. Welche einsame Insel würdest Du in Deine Bücher und Platten mitnehmen?

Monkey Island, klarer Fall.

6. Stehst Du Renaud Garcia-Fons oder der "Foundation of Nursing Studies" näher?

Nun ja, die FoNS ist mittlerweile eine nicht mehr wegzudenkende Institution in Sachen Wammerlbicken geworden, dennoch hat Renaud recht wenn er sagt: "Das Nackensteak hat seine immense Teleologie im Lauf der Jahrhunderte verspielt." Ich hab's ja immer für nahezu obsolet gehalten, aber du weißt ja wie das ist mit dem Prophet im eigenen Lande.

7. Wenn man Dir eine Mistforke, einen flügellahmen Uhu, zwei Zentner Milchreis und drei Michael-Schumacher-Fanclub-Baseballkappen in die Hand drücken würde und Dich dazu verdonnern würde, mit allen gleichzeitig etwas zu machen, was würdest Du tun?

Mei, Olafur. jetzt willst es aber wissen, gell? Ich würde den Milchreis warm machen, die Baseballkappen klein hineinschneiden und mit der Mistforke das Schwein erledigen, das diese Frage gestellt hat. Schmarrn, war nur ein Flax. Olafur, alter Zigeuner.

8. Wie alt bist Du, wo kommst Du her, was sind Deine Hobbies und wieviele Blöcke von Jacky Treehorn hast Du schon durchgepaust, um seltsame Geschlechtsteile statt Telefonnummern zu entdecken?

Ich bin 46, komme aus Plattling, meine Hobbies sind Pfahlsitzen, Weiber aufreissen und lesen. Und Blöcke waren's jetzt songmaramoi sechsundvierzig. So circa.

9. Du gehörst zu den wenigen Männern, die begeistert pinke Lacklederschuhe, rosafarbene Federboas und türkisfarbene, riesige Ohrringe tragen. Was gefällt Dir daran so?

Die Farbe ehrlich gesagt. Oder meinst du die Ohrringe? Da machts eher die Größe.

10. Welchem Bundesligafußballer würdest Du sofort eine Sonnenbank verkaufen?

Dem Dings da, na wie heisst er, dem Brädaritsch. Und gleich noch a Familienpackung Valium hinterher.

101. Würdest Du sagen, Du bist eine soziale Randgruppe?

Das fragst du am besten meine Bandkollegen.

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